Ab 7. Mai 2020 hat das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig wieder regulär von 10 bis 18 Uhr (außer montags) geöffnet. Bitte beachten Sie, dass vorerst nur die Sonderausstellung "Szenen des Lebens", nicht jedoch die Dauerausstellung zu sehen ist.

Eva Paulitsch & Uta Weyrich / QR CODING

QR Code / 2016

text 1: Projekt + Bild

Zu sehen ist ein mathematisch, konstruiertes Zeichen, das an die streng gegenstandslose Stilrichtung der konkreten Malerei bzw. konstruktiven Kunst erinnert - ein von uns generierter QR-Code, mit dem wir unser weltweit einzigartiges Handyvideoarchiv, das wir seit neun Jahren mit Alltagsvideos von jungen Menschen aufbauen, visualisieren.

Hinter dem farbigen interaktiven QR-Code befindet sich eine Kompilation von Filmen, die wir aus unserem Archiv ausgewählt haben - eine Mischung aus amateurhaften Dokumentationen des eigenen Lebens, dem direkten, unverstellten Blick auf die eigene Wirklichkeit und den unmotivierten ziellosen Kameraschwenks als Ausdruck von Langeweile. Videos von jungen Menschen aus aller Welt.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

text 2: Vita + Bild

Mit einer QR-Code Reader App kann der Besucher mit seinem eigenen Smartphone die hinterlegten Filminhalte in Sekundenschnelle entschlüsseln und sich Zugang zu diesen filmischen Erzählfragmenten aus dem Blickwinkel der Digital Natives verschaffen.

text 3

QRCODING reflektiert gleichermaßen das Medium Film wie das Genre Malerei.       Es erweitert in seiner ästhetischen und materiellen Erscheinungsform das Rezeptionsverhalten des Filmschauenden um eine interaktive Dimension. Es macht einen Wechsel von einem Medium in ein anderes möglich: einen Transfer von einer sichtbar geometrischen und farblichen Komposition in einen Kosmos bewegter Bilder.

Das Handyvideoarchiv ist online vollständig einsehbar unter www.pw-video.com.

© Eva Paulitsch/Uta Weyrich

text 4

Eva Paulitsch & Uta Weyrich / True Fiction

Video Installation

Die 70 ausgewählten Videos, aus dem Archiv von Eva Paultisch und Uta Weyrich, die in zufälliger Reihenfolge und Größe auf frei im Raum schwebenden Platten projiziert sind, stammen von jungen Menschen zwischen 15 und 26 Jahren aus unterschiedlichen sozialen Milieus und verschiedenen Nationalitäten. Mit dem flüchtigen Medium des Handys wird die allgegenwärtige Flut von bewegten Bildern sichtbar gemacht, die ihre Gedanken, Gefühle und Lebensrealitäten abbildet. In der Installation true fiction steht der Aspekt des simultanen Nebeneinanders von Lebenswelten im Vordergrund. Videos geflüchteter Jugendlicher tauchen gleichwertig neben Videos von Jugendlichen aus Deutschland auf. Ohne einen übergeordneten Zusammenhang oder eine Leserichtung vorzugeben, erscheinen die einzelnen Projektionen in ihrer lückenhaften Hängung wie einzelne Worte, aus denen die Betrachter*innen ihre eigenen Geschichten machen und die heterogenen Filme zu einem Gesamtbild werden lassen kann. Die Inhalte der Videos pendeln so zwischen den Erlebnissen der Flucht: Weg von den Kriegsgebieten, aber noch nicht angekommen in erhoffter Sicherheit.

/

The 70 selected videos from the archives of Eva Paulitsch and Uta Weyrich, which are projected in random order and size to free-floating in space plates, feature young people between the age of 15 and 26 who are from different social backgrounds and are of different nationalities. With the volatile medium of mobile phones, the omnipresent flood of moving images that reflects their thoughts, feelings and realities is made visible. True Fiction primarily reflects on the aspects of simultaneous coexistence within living environments. Videos of refugee teenagers appear alongside videos of young people from Germany.

text 5

Without a broader context or commentary, the separate, free hanging projections appear as individual words that allow the viewer to make their own stories and create a general image of the heterogeneous films. The content of the videos swings between the experiences of escape: away from the war zones, but not yet safely arrived.

 

Eva Paulitsch (*Klagenfurt) lebt und arbeitet in Berlin. Uta Weyrich (*Groß-Gerau) lebt und arbeitet in Stuttgart.

In Kooperation mit Philipp Contag-Lada (Projektion).

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Zum Seitenanfang