Presença Karajá: Die Ritxoko-Puppen der Iny Karajá

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© Markus Garscha
Ritxoko in der Ausstellung zum 63. SBPC Treffen, Campus Samambaia UFG, Goiânia, Goiás, Brasilien, 2011

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Die SES arbeiten seit 2018 mit dem internationalen Projekt „Presença Karajá: cultura material, tramas e trânsitos coloniais“ zusammen, welches das kulturelle Erbe der Iny-Karajá aus Brasilien dokumentiert. Dabei liegt der Fokus auf den Ritxoko (Puppen aus Ton und Wachs), von deren Gestaltung die Entwicklung von kulturellen Traditionen, Kleidung, Schmuck und Tätowierungen der Iny-Karajá im Lauf der Zeit ablesbar ist.

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Über viele Generationen haben Kinder mit diesen Puppen gespielt und sind somit der Kosmologie und der sozialen Struktur der Iny-Karajá vertraut gemacht geworden. Seit dem 19. Jahrhundert werden die Ritxoko auch für den Verkauf an Touristen hergestellt und bieten somit eine Einnahmequelle für die Ceramistas, die Kunsthandwerkerinnen der Iny-Karajá-Gemeinden.

,,In den Wildnissen Brasiliens: Bericht und Ergebnisse der Leipziger Araguaya-Expedition, 1908" von Fritz Krause, publiziert in Leipzig, 1911.

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Das Projekt erstellt die Datenbank Tainacan, in der Ritxoko aus derzeit 77 musealen Sammlungen weltweit dokumentiert sind – darunter mehr als 80 Puppen aus Leipzig – und stellt diese Arbeit in sozialen Medien wie Facebook und Instagram vor. Gemeinsam mit Wissenschaftler*innen aus Brasilien und Belgien, sowie mit Vertreter*innen der Iny-Karajá werden Fotos gemacht, Karten zur globalen Verbreitung der Puppen erarbeitet, die Gestaltung der historischen Ritxoko analysiert, und Provenienzdaten der jeweiligen Sammlungen recherchiert. Dies ist durch Videokonferenz ermöglicht. Dafür erschließen wir auch Archivunterlagen zur Reise des Leipziger Sammlers und späteren Museumsdirektors Fritz Krause (1881-1963) im Jahre 1908, von dem die Puppen im GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig stammen.

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Die Tainacan-Datenbank wird die Informationen zu die Ritxoko in portugiesischer Sprache veröffentlichen und so den Mitgliedern der Iny-Karajá einen breiteren Zugang zu ihrer eigenen materiellen Kultur ermöglichen. Die Informationen werden auch in der Online-Sammlung des SES in deutscher Sprache veröffentlicht.

Digitales Provenienzforschungstreffen. Von Links nach Rechts: Luciana de Castro, Miriam Hamburger, Andréa Vial, Labé Iny, Melanie Meier, Renata Dias, Markus Garscha und Manuelina Duarte.

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Die Presença Karajá beschriebt dieses Projekt als eine Form von „digitaler Restitution“, denn es ermöglicht den heutigen Ceramistas in den Iny-Karajá-Gemeinden wieder, ihre Arbeit mit den um 1900 vorherrschenden Mustern und Fertigungstechniken ihrer Vorgängerinnen zu integrieren. Die Künstlerinnen planen, bestimmte historische Puppen in Museen weltweit als Vorlagen für moderne Ritxoko zu verwenden und diese neuen Stücke dann in einer Wanderausstellung durch die beteiligten Museen zu schicken.

Die entsprechenden Partner:innen für dieses Projekt sind Dr. Manuelina Maria Duarte Cândido, Dr. Andréa Dias Vial, PhD. Nei Clara de Lima, Dr. Luciana Conrado Martins, and Markus Garscha.

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Iny Karajá – „Presença Karajá“
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