Bitte beachten Sie, dass das 1. OG des GRASSI Museums für Völkerkunde zu Leipzig mit den Dauerausstellungen Asien und Europa bis auf weiteres geschlossen ist.

(un)bedeutend - Leipzig/DDR

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Leipzig war durch seine Messe seit jeher Tor zur Welt - bereits 1723 wurden dort auf der Leipziger Messe zwei tätowierte Männer gezeigt. Später, um 1890, zeigte Irene Woodward, genannt "La Belle Irène", den Besucher*innen des Leipziger Zoos ihre Ganzkörpertätowierung. Mit knappem Rock und tiefem Dekolleté empfing die gewerbsmäßig Tätowierte die Zuschauer*innen; sie durften ihre tätowierte Haut sogar berühren.

Erasmus Schröter, Infrarotfotografie: Tätowierter Junger Mann, Leipzig 1981

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Die Körperbemalungen von "La Belle Irène" enthielten aus der Natur entlehnte und spirituelle Motive. Der Lokalpresse waren die Auftritte der Tätowierten allerdings erst eine Schlagzeile wert, als sie über ein vermeintliches Auftrittsverbot einer "vollständig tätowierten Dame" berichtete. Ein solches Verbot ereilte die Schaustellerin allerdings nicht; es wurde erst 1932 eingeführt.

Ebenfalls im Leipziger Zoo ereignete sich die kurze und zugleich bleibende Begegnung des Schriftstellers Joachim Ringelnatz mit dem Thema "Tätowierung". Noch als Schüler ließ sich Ringelnatz dort Anfang des 20. Jahrhunderts von einer Samoanerin, die in einer der kolonialistischen Völkerschauen im Leipziger Zoo gastierte, ein "H" auf den Unterarm stechen. Der junge Ringelnatz wurde infolge seiner Tätowierung der Schule verwiesen.

Ein knappes Jahrhundert später lichtete der Leipziger Fotograf Erasmus Schröter in einer Fotoserie ehemalige Gefängnisinsassen ab, die sich um 1980 hatten tätowieren lassen. Schröter suchte seine Modelle in Anzeigen gezielt aus und traf sie zu Hause oder bei Veranstaltungen in der Stadt.

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Der Fotograf arbeitete für die vorwiegend nachts entstandene Serie mit Infrarottechnik, die Profil und Motiv der Tätowierungen deutlicher hervortreten lässt. Die von Schröter fotografierten Männer zeigen ihre Tattoos mit Stolz; die Serie gibt damit seltene Einblicke. Bevor Leipzig in der ostdeutschen Tattooszene große Bekanntheit erlangte, wurde das Thema im DDR-Alltag weitestgehend ausgeklammert oder als Randphänomen behandelt.

Erasmus Schröter, Infrarotfotografie: Tätowierter vor Karussells, Leipzig 1980
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