Ab 7. Mai 2020 hat das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig wieder regulär von 10 bis 18 Uhr (außer montags) geöffnet. Bitte beachten Sie, dass vorerst nur die Sonderausstellung "Szenen des Lebens", nicht jedoch die Dauerausstellung zu sehen ist.

(un)begehrt - Einleitung

(un)begehrt - Einleitung

In der Vergangenheit oft mit Skepsis betrachtet, immer wieder heftig diskutiert, gleichzeitig bestaunt und seit den 2000ern weithin im sächsischen Straßenbild sichtbar: Tattoos und Piercings werden mit Stolz getragen oder aus religiösen, persönlichen oder politischen Gründen versteckt.

Auf der Haut dienen sie als Mittel der Kommunikation und Betrachtung. Sehen und gesehen werden: Im Europa des 18. und 19. Jahrhundert wurden Tätowierungen ganz unterschiedlich betrachtet und bewertet: Vom romantischen Bild des „edlen Wilden“ bis hin zur Stigmatisierung zum Verbrecher interpretierten europäische Forscher, Reisende und Wissenschaftler das Phänomen immer wieder neu. Gleichzeitig waren jedoch vom Arbeiter bis zum Adligen fast alle Gesellschaftsschichten tätowiert und gepierct.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Eva Winkler
Holzskulptur, Yap, Mikronesien, Museum für Völkerkunde Dresden

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Das Ein- und Durchstechen der Haut ist ein globales Phänomen, welches durch verschiedene lokale Techniken – durch die Haut – den Körper verwandelt, schützt, heilt oder Erinnerungen hervorruft und lebendig hält. Motive und Piercingpraktiken verbreiten sich weltweit und führen zur Übernahme, zu neuen Bedeutungen, aber auch zur Wiederentdeckung alter Techniken.

Die Körperkunst setzt persönliche und intime Zeichen der Zugehörigkeit, des Erwachsenwerdens oder der Bewältigung von Trauer und verbindet unter der Haut die Trägerinnen und Träger miteinander: in Leipzig ebenso wie auf Samoa und Aotearoa / Neuseeland, oder im Kongo, in Brasilien und Japan.

Auf der Haut, durch die Haut, unter die Haut. Tattoos und Piercings sind ein globales Phänomen mit lokalen Unterschieden. Im ersten Teil der Ausstellungsreihe „Showtime!“ lud das GRASSI Museum alle Interessierten ein, ihre Körperkunst fotografieren zu lassen und die persönlichen Geschichten hinter der Körperkunst zu erzählen. Das so entstandene lebendige Archiv berichtet von globalen Gemeinsamkeiten und lokalen Variationen und geht der Frage nach, welche Bedeutung die Körperkunst heute in Sachsen hat und was sie mit der Welt verbindet.

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