Ab 7. Mai 2020 hat das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig wieder regulär von 10 bis 18 Uhr (außer montags) geöffnet. Bitte beachten Sie, dass vorerst nur die Sonderausstellung "Szenen des Lebens", nicht jedoch die Dauerausstellung zu sehen ist.

(un)bekannt - Omai und Cabri

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Der auf den polynesischen Gesellschaftsinseln geborene Parridero, der später „Omai“ (1751–1780) genannt und unter diesem Namen bekannt wurde, gelangte 1774 mit dem englischen Seefahrer James Cook (1728–1779) nach Großbritannien. Hier verkehrte er als polynesischer Prinz in den höchsten englischen Kreisen und wurde sogar König George III. vorgestellt. Aufgrund seiner Bekanntheit wurde er auch auf zahlreichen Darstellungen – wie der von Francesco Bartolozzi in der Ausstellung – abgebildet. Gekleidet in Seidenweste und Samtgewand, erscheint er hier als Vertreter einer aristokratischen Schicht oder wie ein römischer Feldherr. Neben dieser Projektion als „edler Wilder“ erregte er auch wegen seiner Handtätowierungen das Interesse der englischen Gesellschaft.

Portrait of the Frenchman, Jean Baptiste Cabri, found on the island of Nukahiwa, presented as a slingshot wielder, engraved by Orlovsky, from GH v. Langsdorff's remarks on a journey around the world, 1812 Porträt eines Franzosen, Jean Baptiste Cabri, gefunden auf der Insel Nukahiwa, Darstellung als Steinschleuderjäger, graviert von Orlovsky, aus G.H. v. Langsdorffs Anmerkungen zu einer Reise um die Welt, 1812

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Was vorher als Punktieren, Bemalen oder Einstechen beschrieben wurde, benannte Omai mit dem Wort „tatau“. So konnten die verschiedenen Phänomene in einem Wort zusammengefasst werden. 1777 brachte James Cook Omai zurück auf die Gesellschaftsinseln – ein Schicksal, das die Vorgänger von Omai, die in Europa zur Schau gestellt wurden, oftmals nicht teilen konnten.

Das andere Bild zeigt die Darstellung des Franzosen Jean Baptiste Cabri (laut eigener Auskunft um 1780 in Bordeaux und 1822 in Valenciennes verstorben), der mit zerzausten Haaren und halbnackt auf einem Kupferstich zu sehen ist. Noch im Jugendalter vor den Marquesas-Inseln gestrandet, integrierte er sich in das Leben vor Ort, ließ sich am ganzen Körper tätowieren und heiratete die Tochter eines Würdenträgers. Am 18. Mai 1804 verließ er die Marquesas an Bord des Expeditionsschiffes von Krusenstern in Richtung Europa. Auch Cabris tätowierter Körper erregte das Interesse eines breiten Publikums in Europa. Im Gegensatz zu Omai galt er jedoch als Inbegriff des „verwilderten Europäers“, der bis zu seinem Tod in Schaustellungen umherreiste.

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