Bitte beachten Sie, dass das 1. OG des GRASSI Museums für Völkerkunde zu Leipzig mit den Dauerausstellungen Asien und Europa bis auf weiteres geschlossen ist.

restitution

Die drei Museen für Völkerkunde in Sachsen – das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Museum für Völkerkunde Dresden, Völkerkundemuseum Herrnhut, die seit 2010 zum Museumsverband der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehören, bewahren zahlreiche menschliche Gebeine. Mehrere Tausend sind Teil der sogenannten „Anthropologischen Sammlung“, die sich heute im Museum für Völkerkunde Dresden befindet. Diese Sammlung ist das Erbe der Kolonialzeit und begründete sich zum einen auf den Rassentheorien des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, zum anderen ist sie das Ergebnis der Einführung neuer, positivistischer Forschungsmethoden wie der Kraniometrie (Schädelvermessung), mit dem Ziel, vergleichbare Daten über die Menschheit zu erlangen.

Die Vertreter*innen der zu dieser Zeit noch jungen Wissenschaft der Anthropologie glaubten, kulturelle Unterschiede zwischen den Menschen auf biologische Ursachen zurückführen zu können. Sie legten große Gebeine-Sammlungen an, um ausreichend Forschungs- und Vergleichsmaterial zur Verfügung zu haben. Zur Beschaffung von außereuropäischem „Forschungsmaterial“ – so wurde es damals benannt – wurden Sammler*innen, Reisende und Abenteurer*innen beauftragt, dieses zu erwerben und nach Deutschland an die Museen und Universitäten zu schicken. Grabplünderungen und gewalttätige Kontexte, in denen die menschlichen Gebeine damals erworben wurden, sind heute Anlass für heftige Kritik.

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wir reden hier über menschen

Seit Anfang der 1990er Jahre wurden von staatlichen Stellen und von Vertretern und Organisationen verschiedener indigener Gruppen Restitutionsanfragen an das Museum für Völkerkunde Dresden, das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig und seit 2010 auch an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Anfragen zum Sammlungsbestand und Rückgabeforderungen der menschlichen Gebeine von Vorfahren gestellt.

Am 23. Oktober 2017 hat der Freistaat Sachsen erstmals menschliche Gebeine an Vertreter des Ursprungslandes zurückgegeben. Die aus Hawai‘i stammenden menschlichen Gebeine wurden zwischen 1896 und 1902 aus ihren Bestattungshöhlen geraubt und gelangten zwischen 1896 und 1904 als Kauf und als Schenkung in das Königlich Zoologische und Anthropologisch-Ethnographische Museum, der Vorgängerinstitution des 1945 gegründeten Museums für Völkerkunde Dresden.

In den Depots der drei sächsischen ethnologischen Museen lagern noch viele menschliche Gebeine. Neben Hawai‘i haben auch Neuseeland, Australien und Namibia Restitutionsanträge an den Freistaat Sachsen gerichtet. Die offizielle Übergabe fand am 23. Oktober 2017 in der Ausstellung Prolog #1–10 Erzählungen von Menschen, Dingen und Orten des Museums für Völkerkunde Dresden im Japanischen Palais statt.

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